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In Treysa lebte am Ende des vorigen Jahrhunderts ein Metropolitan, ein alter gütiger Herr, der sich, da er lahm und noch im Dienst war, ein Einspänner Fuhrwerk hielt.
Als Kutscher fungierte der Totengräber. Als eines Tages der Herr Metropolitan beim Morgenkaffee saß, brachte der Postbote den Brief einer alten Tante aus Kassel, in dem sie ihren Besuch ankündigte. Dem Schimmelchen wurden die Hufe geschmiert, die blauen Kissen der Kutsche vom Scheunenstaub gesäubert, und der Totengräber wurde in einem guten Anzug gesteckt, um sodann mit der Kutsche die Tante am Bahnhof würdig zu empfangen, nicht, ohne daß er zuvor noch eingehend belehrt worden wäre, wie er in solchen Fällen sich zu benehmen habe.
Der Zug kommt an. Eine alte Dame entsteigt ihm mit einer mächtigen Hutschachtel in der Hand. Das ist sie, denkt der Rosslenker; geht bedächtig auf sie los und sagt:
„Sain Sie die Tante?“ — „Aich sain der Totengräber von Trees, aich sall Sie lange!“1) — Die Tante aber war ob dieser liebenswürdigen Begrüßungsworte einer Ohnmacht nahe.

1) Sind Sie die Tante? — Ich bin der Totengräber von Treysa, ich soll Sie holen.

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